Zwei große Themenbereiche standen auf der Tagesordnung des Arbeitstreffens im Bereich Tourismus: Zum einen die Vorstellung des neu gegründeten Vereins für Tourismus und Lebensraumgestaltung im Abteiland e.V., weswegen zu diesem Punkt auch zahlreiche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister erschienen waren. Zum anderen ging es umfassend um das Thema „Einheitliche Touristische Datenpflege“, zu dem die Touristikerinnen und Touristiker der zehn ILE-Abteiland-Gemeinden im Rahmen des Projekts „Smarte ILE“ aktuell Unterstützung vom Technologie Campus (TC) Grafenau der Technischen Hochschule Deggendorf erhalten. Die das „Handlungsfeld Tourismus“ leitenden Bürgermeister Heinz Pollak (Waldkirchen) und Franz Mautner (Thyrnau) begrüßten gemeinsam mit Markus Garnitz, Bereichsleitung Digitalisierung der Bayern Tourismus Marketing GmbH (BayTM) die Gäste im Bürgerhaus Waldkirchen.
Neuer Verein für mehr Zusammenarbeit
Wolfgang Obermüller (Landrefugium Obermüller, Untergriesbach) und Hermann Reischl (Reischlhof, Wegscheid) stellten die Hintergründe zur Gründung des „Vereins für Tourismus und Lebensraumgestaltung im Abteiland e.V.“ vor. Sie machten deutlich, dass die klassischen Fremdenverkehrsvereine in den Gemeinden zwar wertvolle Arbeit leisten, deren Attraktivität und Aufrechterhaltung jedoch zunehmend schwieriger geworden sei. Kleine Strukturen erschweren zudem den Austausch. Da die Tourist-Informationen der zehn Kommunen Breitenberg, Hauzenberg, Jandelsbrunn, Neureichenau, Obernzell, Sonnen, Thyrnau, Untergriesbach, Waldkirchen und Wegscheid bereits seit Jahren erfolgreich zusammenarbeiten – etwa bei den Projekten „Radgebiet Donau-Moldau“ und „Wandergebiet Donau-Moldau“ – lag es laut Obermüller nahe, hier auch die Gastgeber und Gastronomen enger zu vernetzen.
Ziel des neuen Vereins ist es, ein starkes Netzwerk aufzubauen, in dem sich nicht nur Vereine und ILE-Gemeinden, sondern auch Gastgeber, Gastronomen und Erlebnisanbieter austauschen können. Zudem sollen Infoveranstaltungen, etwa zu Förderpro-grammen, organisiert werden. Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister begrüßten die Initiative und dankten Obermüller und Reischl für ihr Engagement.
Einheitliche Datenpflege als Zukunftsaufgabe
Nach einer kurzen Pause ging es mit dem Thema „Einheitliche Touristische Datenpflege“ weiter. Max Geisberger vom TC Grafenau erläuterte kurz das Projekt „Smarte ILE Abteiland“. Im Rahmen dieses vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Landau unterstützten Projekts wurden in mehreren Treffen und Workshops acht Schwerpunktthemen und Maßnahmen – eines davon „Einheitliche Touristische Datenpflege“ – erarbeitet, die nun nach und nach umgesetzt werden sollen.
Franziska Friedenberger, die am TC Grafenau auf den Bereich Tourismus und Digitalisierung spezialisiert ist, informierte mit Tanja Angerer und Johanna Anetzberger (Tourismusreferate Landkreis Passau bzw. Freyung-Grafenau) zum aktuellen Stand der Datenpflege. In sogenannten Destinationsmanagementsystemen (DMS) pflegen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Tourist-Informationen Daten zu Wander- und Radwegen, Veranstaltungen, Sehenswürdigkeiten (z.B. Museen, Aussichtstürme, Kirchen), Gastronomien und weitere relevante Informationen wie E-Bike-Ladestationen, barrierefreie öffentliche Toiletten oder Spielplätze, ein.
Dieser Prozess der Datenpflege ist auf einem guten Weg, nimmt jedoch viel Zeit in Anspruch. Dabei sind die Hindernisse vielfältig: zum einen die Menge an Daten, die „nebenbei“ zum normalen Betrieb einer Tourist-Information gepflegt werden müssen. Denn zu den Aufgaben einer Tourist-Information gehören neben der Beantwortung von Fragen von Gästen und dem Versand von Karten und Informationsmaterialien weitere Aufgaben wie der Verkauf von Tickets von Veranstaltungen, Wertgutscheinen oder das Betreuen der Social-Media-Kanäle der Kommunen. Hinzu kommt, dass gerade in kleineren Kommunen die Mitarbeiter für weitere Sachgebiete zuständig sind. Auch führen fehlende Informationen häufig zu falschen Datensätzen bzw. Rechercheaufwand, wenn z.B. ein Restaurant seine Öffnungszeiten ändert, jedoch vergisst, die Tourist-Information zu informieren.
Bei allem sind stets die Urheberrechte zu beachten: wer ist Inhaber eines Fotos bzw. der Bildrechte, und unter welchen Voraussetzungen darf es veröffentlicht werden? Das gleiche gilt für den redaktionellen Text, d.h. ggf. muss ein Text neu formuliert werden. Das Zauberwort heißt hier „Open Data“. So sind aktuell zwar bereits viele Datensätze angelegt, aber konnten noch nicht umfangreich freigeschaltet werden, weil noch keine Fotos mit entsprechender offener Bildlizenz vorliegen.
Eine weitere Herausforderung ist, dass es sehr viele unterschiedliche Systeme gibt, in die die Daten eingepflegt werden. Hierzu wurde die BayernCloud Tourismus als zentrale Datendrehscheibe für alle touristisch relevanten Daten in Bayern geschaffen. Dies bedeutete, dass die Daten einmal eingepflegt und – dank Schnittstellen – auf den relevanten Portalen ausgespielt werden können. Die Umsetzung sei lt. Markus Garnitz komplex, aber man sei laufend in Abstimmung mit den Systemanbietern. Das langfristige Ziel: eine bayernweite Freizeit-Informationsplattform für Gäste und Einheimische.
Teamgeist und Ausblick
Nach rund dreieinhalb Stunden endete das Arbeitstreffen. Die Umsetzungsbegleitung der ILE Abteiland, Edith Stadlmeyer, die das Handlungsfeld Tourismus koordiniert, bedankte sich herzlich bei allen Teilnehmenden für den regen Austausch. Auch Bürgermeister Franz Mautner zeigte sich beeindruckt: „Es ist motivierend zu sehen, wie viel Teamgeist hier im Abteiland herrscht. Mit dem neuen Verein und der gemeinsamen Datenpflege setzen wir die richtigen Schritte, um unsere Region touristisch zukunftsfähig aufzustellen.“ Auch die Teilnahme von Christian Zeidler vom ALE Niederbayern und Natalie Askar vom Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELF), die für die Umsetzung der BayernCloud mit verantwortlich ist und extra aus München angereist war, wurde mit Freude aufgenommen.